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Liebe Schwestern und Brüder,

„Allein den Betern kann es noch gelingen / Das Schwert ob unsern Häuptern aufzuhalten. Und diese Welt den richtenden Gewalten / Durch ein geheiligt Leben abzuringen.“

Diese Worte des Schriftstellers Reinhold Schneider (1903 – 1958) kommen so manchem in der letzten Zeit unwillkürlich in den Sinn angesichts der Entwicklungen in Kirche und Welt.

Panikmache und Weltuntergangsstimmung sind keine christlichen Haltungen. Die Hoffnungslosigkeit vieler Menschen oder die daraus resultierenden Äußerungen, man könne ja doch nichts ändern, müssen aber ernst genommen werden. Schrille Töne in öffentlichen Diskussionen, in Internetforen und Talkshows sind oftmals ein Symptom der Mutlosigkeit: Nicht der Wettstreit um das bessere Argument zählt dann und nicht die Frage, wer der Wahrheit näher steht, sondern gefragt ist, wer sich besser durchsetzen kann.

Kirchlich gesehen sorgt die zunehmende Entfremdung vom kirchlichen Betrieb und vom christlichen Glauben für Ratlosigkeit. Ehrenamtlich Tätige fragen sich, welche Zukunft unsere Gemeinden mit ihren vielfältigen Aktivitäten haben. Gibt es Nachfolger für Priester und Gläubige? Wo ist unsere Jugend? Im Bistum Mainz gibt es in diesem Jahr keine einzige Priesterweihe, das Priesterseminar ist so gut wie leer.

Krisenzeiten waren stets Zeiten der Reform. Auch hier gilt: Nicht das Laute und Spektakuläre zwingt die Reform im Sinne einer wahren Erneuerung herbei. Das Neue wächst oft zart, lange Zeit unerkannt, unter vielen Mühen, Leiden und Opfern. Ein Beispiel: Viele Jahre hatte die Heilige Theresa von Avila in der Verborgenheit ihres Klosters gelebt, bis sie mit ihrem Reformprogramm ihren Orden und dann die gesamte Kirche in Erstaunen versetzt hat. Und auch der Heilige Paulus zog sich nach seiner Bekehrung mehrere Jahre in die Wüste zurück, bevor er zum größten Missionar aller Zeiten wurde. „Herr, erneuere deine Kirche und fang bei mir an“, so heißt es in einem zeitgenössischen Gebet. Dies meint keinen Rückzug ins Private. Erneuerung im christlichen Sinne zielt jedoch zuallererst auf das Herz des Einzelnen. Und nur dort kann die Entmutigung überwunden werden, kann Bitterkeit, Enttäuschung und Ratlosigkeit in Freude, Zuversicht und Glaubenskraft gewendet werden. Die eigentlichen Erfolge werden zunächst im Gebet errungen, bevor sie sich nach „außen“ hin durchsetzen.

Es ist deshalb ein ermutigendes Zeichen, dass in den letzten Jahren eine Reihe von Gebetszeiten in unseren Kirchen entstanden sind. Schon seit Jahrzehnten haben sich Gläubige in unseren Kirchen auch außerhalb der Messfeiern zum Gebet versammelt, zu Rosenkranz und Kreuzweg oder auch „nur“ zum schweigenden Verweilen in der Kirche, oftmals verbunden mit dem Entzünden einer Kerze oder einem Eintrag in unseren Fürbittbüchern. Diese Andachten sind kein Auslaufmodell. Im Gegenteil: Die „offiziellen“ Gottesdienste und großen Liturgien werden nur lebendig bleiben, wenn sie sich speisen aus dem vertrauten und stillen Gespräch des einzelnen mit Gott.

100 Jahre ist es her, dass in einem kleinen portugiesischen Dorf die Muttergottes drei Hirtenkindern erschien. „Betet, betet und es wird Friede sein!“, so lautet eine der Kernbotschaften, die seitdem Millionen Menschen an diesen unscheinbaren Ort geführt hat. Fatima ist ein beeindruckendes Zeugnis für die Macht des Gebetes. Gott wendet sich damals wie heute häufig nicht an die Großen und Einflussreichen, er spricht zu den „Kleinen und Unmündigen“ des Evangeliums und schenkt ihnen neues Zutrauen in die Macht des Gebetes. „Das Gebet ist das am meisten missverstandene und dennoch das kräftigste Mittel zur Wiederherstellung des Friedens in den Seelen; es macht sie glücklich und bringt sie näher zu Gottes Liebe. Gebet erneuert die Welt“, so drückt es der Heilige Maximilian Kolbe (1894 – 1941) aus - ein Zeitgenosse der Hirtenkinder von Fatima. Und weiter: „Kurze Stoßgebete während der Arbeit sind das beste Gebet.“

Unsere Kirche und die Gesellschaft stehen vor gewaltigen Umbrüchen. „Wir müssen uns vor allem vor dem Aktivismus hüten, der in den äußerlichen Aktivitäten die ganze Erfolgswirksamkeit einer Unternehmung sieht … Aktion ist gut, aber es versteht sich von selbst, dass sie zweitrangig ist, und sogar weniger als zweitrangig im Vergleich mit dem innerlichen Leben, dem Leben der Sammlung und des Gebets, dem Leben der persönlichen Liebe zu Gott. In dem Maße, indem die Gottesliebe in uns selbst immer mehr brennt, werden wir auch fähig, die anderen Herzen mit dieser Liebe zu entzünden.“ (Maximilian Kolbe).

Nur die Beter werden in dieser Situation standhalten. Dabei reicht es zunächst, dass in jeder Gemeinde eine kleine Schar von Betern das Feuer und die Zuversicht am Brennen hält: Nicht die Zahl ist entscheidend.

Es gibt deshalb keinen Grund, sich entmutigen zu lassen. Der Auferstandene möge uns alle mit neuer Glaubenskraft erfüllen!

Von Herzen grüßt und segnet Sie

 

Ihr Hendrick Jolie, Pfr.

 

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